Wir sind zurück! Letztendlich hat unsere Tour durch Queensland nur 17 Tage in Anspruch genommen. Aufgrund von schlechtem Wetter ausgerechnet am letzten Tag haben wir beschlossen in einer Tagesetappe 650 km zurück zur Gold Coast zu fahren und es hat tatsächlich die gesamte Strecke über geregnet. Insgesamt haben wir 4.602 km zurückgelegt und eine Menge aufregender Eindrücke gesammelt. Die genaue Route könnt ihr hier sehen.
Da wir unzählige Fotos geschossen haben, werde ich die Tour in vier Etappen unterteilen und Bilder zu den einzelnen Etappen nach und nach posten. Einige sind schon zu sehen unter Fotos. Weitere Bilder und etwas Text zu unseren Erlebnissen werden folgen!
Archiv
Morgen ist das zweite Semster an der Bond University offiziell beendet und ich werde stolzer Besitzer eines Automobils sein. Für die drei Wochen “Freizeit” zwischen den Semstern haben Kathrin und ich uns eine Tour durch Queensland vorgenommen - in 20 Tagen. Wir werden von der Gold Coast die Ostküste hochfahren, entlang der Sunshine Coast, Fraser Island und die Whitsunday Islands passieren, bis wir schließlich in Townsville im tropischen Norden ankommen. Von dort aus fahren wir westwärts Richtung Outback, biegen kurz vor Mount Isa wieder südwärts ab und fahren durchs Hinterland zurück Richtung Gold Coast. Klingt wie eine Sonntagsfahrt, sind aber insgesamt rund 4000 km.
Die Tour scheint recht vielversprechend, besonders landschaftlich. Wir werden erstmals roten Wüstensand zu sehen bekommen und etliche Kilometer durch Steppen und Regenwälder fahren. Wir freuen uns riesig und sehnen uns seit Wochen nach etwas Zweisamkeit in der Natur. Geschlafen wird in einem kleinen Zelt, das wir vor drei Tagen auch schon besorgt haben. Am nächsten Dienstag geht es los! Sofern wir online sind, werden wir versuchen schon während der Tour ein paar Bilder zu posten. Für alle Interessierten gibt es hier schon mal eine Karte mit unserer Route…
Nach meinem Ein-Tages-Intensiv-Trip entlang des Captain Cook Highways stand für den nächsten Morgen dann endlich mein Tauchtrip im Great Barrier Reef an – der Grund warum ich eigentlich nach Cairns geflogen war. Überpünktlich um halb sechs stand ein Bus der Tauchtypen vor der Tür des Hostels. Im Diveshop in der Nähe des Hafens habe ich dann mein Equipment bekommen und um kurz nach sieben sind wir auch schon Richtung Riff ausgelaufen. Ich hatte es ja bereits erlebt mit nem Boot zum Tauchen raus zu fahren und war auch prompt um eine unangenehme Erfahrung reicher, weil ich extrem sehkrank wurde. Da dieses Boot in Cairns nun erheblich größer war, dachte ich, mit einer Reiseübelkeitstablette komme ich dicke hin. Weit gefehlt. Da das Boot dafür gebaut ist, möglichst dicht an die Riffe heranzufahren, hat es einen sehr flachen und breiten Rumpf mit minimalem Tiefgang. Für die Fahrt zum Riff bedeutet das allerdings eine extreme Wackelpartie. Und damit meine ich wirklich extrem. Ich konnte nicht aus dem Fenster schauen, weil ich abwechselnd entweder nur Wasser oder nur Himmel gesehen habe. Nachdem ich dann panisch eine zweite und dritte Tablette geschmissen hatte, konnte ich es einigermaßen aushalten ohne sofort zu kot… . Nach drei Stunden Fahrt etwa 70 km vor der Küste von Cairns lag dann unsere erste Haltestelle: Das Milln Reef. Vor dem ersten und allen weiteren Tauchgängen wurden wir kurz über die Riffformation und Fischvorkommen gebrieft und dann konnte es losgehen. Erster Tauchgang im Great Barrier Reef, 11:10 Uhr, 31 Minuten Bottom Time, 20,9 Meter tief bei mehr als 15 Metern Sicht. Als Buddy habe ich mir auf dem Boot einen Holländer namens Perry angelacht – netter Kerl. Unser erster Tauchgang im Riff war also wirklich beeindruckend. Die Eindrücke unter Wasser sind schwer zu beschreiben aber die Fotos sprechen für sich. Ein bunter Garten aus Korallen mit unzähligen verschiedenen Fischen und anderen Meerestieren. Einfach unglaublich schön.
Eines der Highlights war ein Nachttauchgang am ersten Abend. Um kurz nach acht war es stockdunkel. Und da es auf hoher See keine urbanen Lichter mehr gibt ist die Sicht sowohl über als auch unter Wasser tatsächlich null. Das war schon etwas gruselig. Einer der Dive Instructors hat dann gefragt wer als erster ins Wasser geht. Mein Buddy und ich haben uns etwas verunsichert angeschaut, dann aber gesagt: Ok, wir machen’s. Unser Instructor ist dann schmunzelnd in seiner Kabine verschwunden und kam kurze Zeit später mit einem Eimer Fisch wieder. Als er die Fische dann vom Heck des Bootes ins Wasser geworfen hat, waren innerhalb von Sekunden vier bis fünf dicke Haie hinter dem Boot und haben sich gierig über das Fressen hergemacht. Mein Buddy und ich waren plötzlich doch recht verunsichert, ob es tatsächlich so eine gute Idee ist den ersten Schritt ins schwarze Nass zu wagen. Nachdem man uns aber keine andere Wahl mehr ließ, war alles halb so schlimm, da die Haie extrem scheu sind und sofort die Flucht ergriffen haben als wir ins Wasser gesprungen sind. Trotz alle dem war es schon sehr unheimlich unter Wasser, da sich die Sicht auf den schmalen Schein unserer Taschenlampen beschränkte. Auf die Frage wie wir denn bei völliger Dunkelheit wieder zum Boot zurückfinden, antwortete unser Instructor nur: Schaltet die Taschenlampen einfach aus, dreht euch einmal um die eigene Achse und folgt dem Lichtschein, der vom Boot ausgeht. Very easy. Hier ist ein kleines Video, das ich gedreht habe…
Insgesamt waren die drei Tage auf dem Boot wirklich die Reise wert und ich kann das Great Barrier Reef jedem wärmstens empfehlen! Viele Fotos mit Beschreibungen, was mir unter Wasser so alles begegnet ist, gibt es hier: Milln Reef und Flynn Reef.
Ja ja, nur nicht aufregen. Ich komme nicht wirklich dazu, immer zeitnah nachdem mal was Spannendes passiert ist etwas zu schreiben. Das hat unterschiedlche Gründe. Hehe. Aber! Ich bin wesentlicher schneller darin, neue Fotos hoch zu laden. Mittlerweile hat sich einiges angesammelt, zu dem es noch keine Blog-Texte gibt. Also, es lohnt sich auf jeden Fall für neue Fotos vorbeizuschauen. Auch die werden von mir mit größter Sorgfalt beschriftet. Trotzdem soll es hier chronologisch weitergehen, weshalb ich jetzt gleich etwas über meine drei Tage im Great Barrier Reef schreiben werde… No worries!
Kaum war ich von meinem Trip nach Sydney zurückgekehrt, habe ich meinen kleinen Koffer schon wieder neu packen müssen, um in nördlichere Breitengrade aufzubrechen. Meine zweite Tour in den Semesterferien führte nach Cairns im tropischen Norden Queenslands. Nach zwei Stunden Flug von Brisbane landete ich auf dem winzigen aber durchaus viel versprechenden Flughafen in Cairns. Normalerweise sieht man beim Landeanflug auf seinen Zielflughafen erste Häuser und Straßen – nicht in Cairns. Die mickrige Piste liegt mitten im Dschungel zwischen grünen Hügeln und Palmenwäldern. Traumhaft. Genau so was brauchte ich nach fünf Tagen im hektischen Sydney. Ich wurde vom Flughafen abgeholt und zum Hostel gebracht. Auch das lag mitten im Grünen umsäumt von Palmen und tropischem Gewächs am Rand der kleinen Stadt – oder besser gesagt am Ende einer der einzigen drei größeren Straßen in Cairns. Das Dörfchen ist in nur 15 Minuten zu Fuß zu durchqueren. Sehr überschaubar. Nachdem ich mein Zimmer im Hostel eingerichtet hatte, habe ich auch genau das getan. Ich bin an der Strandpromenade südwestlich Richtung Hafen geschlendert. Aber etwas war anders… Richtig! Der Strand fehlte. Entlang der gesamten Promenade blickte man auf ein schlammiges Watt. Auf einem kleinen rostigen Schild konnte man lesen: No access. Stingers may be present. Crocodiles have been sighted in this area. Quallen, deren Gift lebensgefährlich giftig ist, und Salzwasserkrokodile. Willkommen im Dschungel von Nord Queensland. Das Städtchen Cairns ist dagegen verhältnismäßig unspannend. Tauch- und Souvenirgeschäfte, ein paar Pubs und Imbissbuden. Nichts, was man nicht schon mal gesehen hätte.
Am nächsten Tag hatte ich noch Zeit für mich bevor es zum Tauchen raus ins Great Barrier Reef gehen sollte. Laut Reiseführer ist Umgebung um Cairns insbesondere die Küstenstraße Richtung Norden sehr sehenswert. Also habe ich mir kurzer Hand ein Auto gemietet, um mich selbst davon zu überzeugen. Ein Typ im Hostel – er nannte sich selbst Buddha – hat den Wagen für mich organisiert. Am Telefon hatte er immer von einem „Matchbox Car“ gesprochen. Ich hatte ehrlich gesagt ernsthafte Bedenken, dass er mir die letzte Schrottkarre andreht. Immerhin sollte dieser Ausflug meine erste Erfahrung auf australischen Straßen darstellen. Aber die Schleuder war in Ordnung – solider japanischer Kleinwagen mit Automatikgetriebe – und nachdem ich etwa zehnmal den Scheibenwischer betätigt hatte, habe ich dann auch verstanden, dass der Blinker links ist.
Mein Weg führte mich auf dem Captain Cook Highway nordwärts zunächst Richtung Palm Cove – das nächste Dörfchen, das einen richtigen Namen hat. Der Begriff „Highway“ ist in diesem Falle allerdings etwas weit hergeholt, da es sich eigentlich nur um eine einspurige, provisorisch befestigte Straße handelte. Allerdings in bester Lage direkt am Wasser entlang. Ich hatte mir fest vorgenommen nicht alle 50 Meter anzuhalten, um Fotos zu machen, weil mich Freunde und Bekannte immer für völlig bescheuert erklären, aber ich konnte nicht anders. Ein Traumstrand nach dem anderen mit glasklarem Wasser vor der Nase und dichtem Regenwald im Rücken. Ich habe es allerdings nicht gewagt schwimmen zu gehen, da ich die Krokodil-Warnschilder noch gut in Erinnerung hatte. Trotz der vielen Fotostops kam ich relativ zügig voran und passierte nach etwa 40 km ein Schild mit der Aufschrift „Hartley’s Crocodile Farm“. Also entschloss ich mich eine kurze Auszeit zu nehmen und Krokodile zu sehen. Die Farm lag am Fuße des Regenwaldes zwischen zahlreichen Tümpeln und Sümpfen – den „Wetlands“. Hier habe ich dann Krokos, Koalas und Kasuare gesehen. Letztere sind flugunfähige Vögel, ähnlich einem Strauß, allerdings mit blauen Köpfen und schwarzem Gefieder. Sehr putzig anzuschauen.
Als ich die Farm wieder verließ wurde das Wetter dramatisch schlechter und es regnete auf meiner Weiterfahrt Richtung Port Douglas. Aber auch bei besserem Wetter hätte ich das Dorf nicht wesentlich spannender empfunden. Ein kleines Hafenstädtchen mit Booten und protzigen Villen. Auch der berühmt berüchtigte Four Mile Beach sah im trüben Regenwetter nicht besonders spektakulär aus. Also bin ich recht zügig weitergefahren Richtung Mossman Gorge National Park noch ein Stück weiter nördlich. Eigentlich wollte ich nach Port Douglas umkehren, aber ein Pärchen im Hostel hat mir einen Nationalpark in der Nähe von Mossman sehr an Herz gelegt. Dort angekommen bin ich dann drei Kilometer durch den Regelwald gewandert und war in einem herrlich erfrischenden Gebirgsbach schwimmen. Siehe Fotos. Völlig allein im Dschungel. Sehr cool. Nach der Dschungeltour bin ich direkt zurück nach Cairns gefahren, um mein lieb gewonnenes Matchbox Car wieder abzugeben. Alles in allem war das ein sehr reichhaltiger Tag. Ich hatte irgendwie das Gefühl einen komprimierten und sehr intensiven Zweiwochenurlaub in ein paar Stunden zu erleben. Auf jeden Fall einer der besten Tage in Australien bisher.



